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Wein & Feinkost

Drei Frauen und ihre Weine

Schmeckt der Wein, der von Frauen gemacht wird, anders als der ihrer männlichen Kollegen? Um diese Frage zu beantworten hat der Autor Winzerinnen im niederösterreichischen Weinviertel und im Carnuntum getroffen. 

„Ich will, dass man den Jahrgang und den Boden im Wein erkennt. Jede einzelne Sorte soll ihr ganz eigenes Bukett mit den persönlichen Fruchtnoten entfalten können“, erklärt Birgit Wiederstein (33) und breitet die Arme aus. Sie bewirtschaftet die sechs Hektar großen, mehr als 130 Jahr alten familieneigenen Weingärten in Göttlesbrunn in der Weinregion Carnuntum „ganz traditionell“, wie sie betont. Sie ist stolz darauf, alles selber machen zu können, schonend und nachhaltig. Jeden Weinstock besucht sie mindestens neun Mal im Jahr. Für sie sind es „Gesprächspartner, die ihre Geheimnisse nur leise grummelnd preisgeben“. Deshalb herrscht in den Weingärten (und im Keller) auch „Fluchverbot“. Wenn Birgit Wiederstein über ihre Weine spricht, wird die Handwerkerin zur Poetin: Ihr Sauvignon blanc ist „tänzerisch wie ein Tango“, und ein Schluck von ihrem Blaufränkisch ist wie „die Reise in einer Zeitmaschine, 120 Jahre zurück“. „Ich liebe runde, samtige, weiche Rotweine mit einer femininen, zierlichen und ehrlichen Frucht, die nicht sofort beim ersten Hineinschnuppern ins Glas all ihr Potenzial versprühen, wie ein Feuerwerk.

Auch bei den klassisch angebauten Weißweinen sehe ich den Reiz in der präzisen, reinsortigen, unverfälschten Frucht, die ihren natürlichen Charme zeigt.“ Diese Weine könne man vielleicht am besten mit einer schönen, gepflegten, natürlichen Frau vergleichen. „Wenn ich bei manchen Weinen die Lagerung im Barique bevorzuge, dann deshalb, damit der Wein an verführerischer Komplexität gewinnt, gleich dem dezent verwendeten Parfüm, das die natürliche Schönheit einfach um eine Nuance reicher macht. Die Weißweine, die ich liebe, haben eine verspielte Frucht mit einer Säure, die von fein ziseliert bis aufmüpfig prickelnd sein kann. Bei der Frucht sollten die Weißweine aus dem Vollen schöpfen, ähnlich einer gut sortierten Obstabteilung“. Ihre Weine heißen „Prima Donna“, „Die Diva“, „Die Venus“, oder „Blaufränkisch wie damals“. 

Drei Frauen und ihre Weine: starke Persönlichkeiten, einzigartig und ehrlich, selbstbewusst, charmant und resolut. Ihre Weine sind nicht besser oderschlechter als die ihrer männlichen Kollegen, auch nicht prinzipiell anders. Was sie vielleicht unterscheidet, ist ihr emotionaleres, fast inniges Verhältnis zur Natur, zum Boden, den Reben und den Weinen – und ein wenig Poesie, die sie bei der täglichen Arbeit begleitet. 

 

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